In Brandoberndorf gab und gibt es das Gasthaus “Grüner Baum”. Dieses Gasthaus liegt in der Ortsmitte und wurde im 19. Jahrhundert von dem Förster Carl Benedikt Ringelstein und dessen Familie bewohnt.

Der Vater Carl Benedikts, Andreas Ringelstein wurde in Ober-Gladbach in der Nähe von Schlangenbad im Taunus geboren.

Im Frühsommer des Jahres 1766 trat er seinen Dienst als Förster in der Herrschaft Rheinfels an. Bereits eineinhalb Jahre später wollte er aber sein Glück andernorts suchen und bat um seine Entlassung. Am 2. August 1768 wurde ihm auf seinen eigenen Wunsch hin das Dienstzeugnis ausgestellt. Es bescheinigt Ringelstein, dass er sich während seiner Dienstzeit so “Ehrlich, getreu, fleißig und aufrichtig” verhalten habe, dass der Forstverwalter Grammlich, der das Zeugnis ausstellte, “Jederzeit an Ihme ein Vollkommenes und sattsames Vergnügen” hatte.

Andreas Ringelstein war mit Anna Maria Maufein aus Oestrich verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Carl Benedikt Ringelstein erblickte am 20. August 1788 in Normanswiller im Elsass das Licht der Welt.

Auch Carl Benedikt wählte den Beruf Förster. Alle Stationen seines Wirkens sind heute nicht mehr bekannt. Bis 1819 arbeitete er als Förster in Hirschhorn und begab sich dann in das Herzogtum Nassau. Dort erhielt er am 10. März 1819 die Stelle als Förster des Forstreviers in Brandoberndorf. Ihm unterstand der Forstschutz in den Gemeinde- und Domänenwäldern, insgesamt rund 3.500 Morgen Wald.

Das besagte Gasthaus “Grüner Baum” wurde seinerzeit von Peter Bauer und seiner zweiten Ehefrau Anna Katharina Fischer (*25. Oktober 1800) betrieben. Nach dem Tod Peter Bauers am 5. November 1827 kamen sich Carl Benedikt und Anna Katharina näher und heirateten schließlich am 26. Mai 1835.

 

Aus dieser Ehe sind acht Kinder bekannt:

– Carl C. *11. August 1835, +November 1835

– Louise *15. September 1836, +6. Januar 1837

– Katharina Wilhelmine *15. September 1836, +1. April 1838

– Louise Marie *1. November 1837, +1. Januar 1838

– Anna Maria Catharina *28. Juli 1839, +29. Juli 1839

– Anna Maria Catharina *22. Februar 1841, +16. Februar 1876

– Marie Katharine *22. Februar 1841, +14. Dezember 1842

– Johannes *+12. Dezember 1842

 

Carl Benedikt Ringelstein verstarb am 4. Januar 1862, seine Frau Anna Katharina am 24. April 1870.

Seit dem Einzug Ringelsteins trägt das Gasthaus “Grüner Baum” den Hausnamen “Ringelsteins”.

 

Nun wäre eigentlich an dieser kurzen Geschichte der Familie Ringelstein nichts Besonderes, wenn nicht in Privatbesitz alte Unterlagen, darunter auch Diensttagebücher von Carl Benedikt Ringelstein, aufbewahrt würden. Diese beleuchten schlaglichtartig sowohl das Leben als auch die Arbeit Ringelsteins.

Diese Diensttagebücher umfassen mit kleinen Lücken die Jahre 1835 bis 1850 sowie das Jahr 1857. Familienkundliche Angaben wurden durch Kirchenbücher überprüft und ergänzt.

 

Persönliche Einträge

Am 7. Mai begab er sich zum Oberforstamt in Weilburg und erbat dort die Erlaubnis für seine Hochzeit. Über Weilmünster reiste er noch am gleichen Tag zurück. Um weitere “Hochzeitsangelegenheiten” zu klären, fuhr er am 9. Mai zunächst nach Usingen und von dort nach Cransberg. Die Hochzeit fand am 26. Mai 1835 statt. Über diesen Tag hielt er nüchtern fest: ”Den Tag bis ½12 Uhr in den Lohschläg u. im Revier, hernach zu Haus und wurde copuliert. Die Nacht zu Haus.”

Am 16 Juni verbrachte er zunächst bei den Raitelträgern und in Cleeberg. Schon an diesem Tag schrieb er, dass er tagsüber Rückenschmerzen verspürte. Das war auch der Grund, warum er am 17. den ganzen Tag zu Hause blieb.

Bemerkenswert ist ein ganz persönlicher Eintrag am 11. August 1835. Während er Vormittags seiner Arbeit nachging, schrieb er für Mittags mit roter Tinte in sein Tagebuch: “diesen Mittag 11 Uhr wurde meine Frau mit einem Söhngen entbunden.”

Abb. 1: Geburtseintrag des Sohnes Carl C.

Der Sohn wurde am 23. August auf den Namen Carl C. getauft. Am 12. November war er auf der Pirsch und wollte dies auch am 13. tun, wurde aber wegen Erkrankung seines Sohnes nach Hause gerufen. Es war offensichtlich eine schwere Krankheit, denn nur zwei Tage später, am 15. November starb der Knabe nachts um ¼ nach 3 Uhr. Er war gerade mal drei Monate alt geworden. Die Trauer über den frühen Tod wird vielleicht auch in dem fast schon lakonischen Eintrag deutlich. Für den 17. November hielt er fest: “Den Tag wurde mein Kind Carl C. beerdigt, dem nach Tag u. Nacht zu Haus.” Fast ein Jahr später wurde Zwillinge geboren. Für den 15. September 1836 hält das Tagebuch fest: “Den Tag bis ½1 Uhr im Revier, hernach zu Haus, meiner Frau wurde um 3 Uhr ein Töchterchen gebohren, die Nacht zu Haus.” Eines der Mädchen wurde am 2. November auf den Namen Louise getauft. Katharina, das zweite Mädchen, wird in den Tagebüchern nicht erwähnt. Ihre Geburt konnte nur durch Kirchenbücher nachgewiesen werden. Aber auch Louise wurde krank. Ringelstein begab sich am 4. Januar 1838 zum Arzt nach Butzbach “wegen dem Louise, welches den 3ten Abends krank wurde”. Auch wenn über die Krankheit nichts bekannt wurde, so muss sie doch schwer gewesen sein, denn Louise verstarb am Dreikönigstag, dem 6. Januar, abends um 8 Uhr. Nur wenig später wurde auch seine Tochter Katharina krank. Ringelstein konsultierte zwar mehrfach verschiedene Ärzte in Wetzlar und Butzbach. Doch sie konnten ihr nicht helfen: sie verstarb am 1. April 1838.

Da das Tagebuch des Jahres 1837 fehlt, konnte die Geburt von Louise Marie nur in den Kirchenbüchern gefunden werden. Warum ihr Tod am 1. Januar 1838 aber nicht festgehalten ist, wird nicht mehr festzustellen sein. Dort heißt es schlicht “den Tag und Nachts zu Haus.”

Etwas mehr als ein Jahr später erblickte eine weitere Tochter das Licht der Welt. Der Tagebucheintrag für die Geburt ist nicht eindeutig. Fast schon distanziert hält es hierzu fest: “27. [Juli 1839] den Tag Fahrtag in der Griedelbacher Heck hernach im Revier die Nacht zu Haus u. um 4 Uhr eine junge Tochter bekommen. 28. den Tag u. Nacht zu Haus, Morgens 4 Uhr eine Tochter bekommen.” Tatsächlich handelte es sich um nur eine Tochter, denn für den 11. August hält das Tagebuch fest: “Den Tag zu Haus und das Kind taufen lassen. Die Nacht zu Hause.” Den Namen fügte Ringelstein nicht hinzu. Fast nebenbei schrieb er am 1. Februar 1840: “Den Tag im Revier Holz am Burghain u. Kohlheck Anschnitt nummeriert die Nacht zu Haus Ein recht krank Kind seit 28ten v.M. [vorigen Monats].

Ende 1836 wurde Ringelstein krank. Nachdem er bereits Ende November Halsschmerzen und -entzündungen im Tagebuch festhielt, ging er trotz schlechten Wetters wieder ins Revier. Bereits am 3. Dezember blieb er zu Hause wegen “bösen Hals u. Regen”. Am 9., einen Tag zuvor hatte er die Einschlagarbeiten im Revier beaufsichtigt, notierte er schlechtes Wetter, Halsentzündung und ein Geschwulst im Hals. Am 12. Dezember schließlich schickte er nach dem Arzt und verließ das Haus erst wieder am 27. Dezember.

Im Juni 1838 wurde er abermals so schwer krank, dass er sich am 21. des Monats vorläufig “wegen Unwohl” vom Dienst dispendieren, also befreien, ließ. Die nächsten vier Wochen blieb er zu Hause, zumeist im Bett.

 

Gesellschaftliches Leben

Wie Ringelstein am gesellschaftlichen Leben teilnahm, zeigen kleine Hinweise in seinem Tagebuch. So nahm er im Juli am Wettschießen in Butzbach teil und war am 2. November bis Abends um 11 Uhr bei der Musikkirmes. In den folgenden Jahren war er regelmäßiger Kirmesgänger und nahm an verschiedenen Wettschießen teil. Am 30. Dezember 1835 legte er seinen Bürgereid in Usingen ab. Wenige Tage später, am 8. und 9. Januar 1836 wurde im “Grünen Baum” geschlachtet. Ringelstein schrieb hierzu, er habe am 9. zu Hause geschlafen und anschließend Metzelsuppe gehalten. Ein besonderes Ereignis muss die Ankunft des Heißluftballons in Weilburg gewesen sein. Im Tagebuch steht unter dem 9. November 1836: “Den Tag zu Weilburg wo Gestern der Luftballon aus London in 15 Stck bei Weilburg ankam gesehen.”

Abb. 2: Eintrag der Besichtigung des Luftballons

Möglicherweise wurde Ringelstein auch Mitglied in einem Gesangverein, denn für den 5. Juli 1846 notierte er: “Den Tag in Braunfels beim Singverein, die Nacht von 1 Uhr zu Haus.” Ein fast schon als persönlich zu bezeichnender Eintrag erwähnt, dass er am 23. September 1849 mit “Frau und Kind auf der Butzbacher Kirchwei” war.

Der Brauch, zu Weihnachten Bäume aufzustellen wird nur ein einziges Mal, im Jahre 1845 erwähnt. Am 24. Dezember diesen Jahres wies Ringelstein “Christbäume” an.

Da Ringelstein katholisch war, musste er die Kirche in anderen Orten besuchen. Auch wenn er hauptsächlich die Kirche in Wernborn (heute Usingen-Wernborn) besuchte, so scheint es, als wäre er bei der Auswahl dieser Orte nicht dauerhaft festgelegt, denn er ging auch nach Rockenberg, Weilburg oder Wetzlar. Ein besonderer Vermerk weist darauf hin, dass er am 11. Mai 1835 “hier in der Kirch” war. Pfingsten des Jahres 1835 besuchte er abermals die Kirche in Weilburg. Wie “festlich” der Alltag seinerzeit war, zeigen die Einträge um Heiligabend. Am 24. Dezember war Ringelstein tagsüber im Revier und nachts zu Hause. Den heute sogenannten 1. Feiertag verbrachte er bis 2 Uhr zu Hause und begab sich anschließend nach Butzbach. Von dort reiste er am 26. nach Rockenberg, besuchte die Kirche und fuhr noch am gleichen Tag wieder nach Butzbach, wo er übernachtete. Am nächsten Tag reiste er über Pohlgöns und Niederkleen wieder nach Hause.

 

Reisen und Freizeit

Über Ostern 1835 unternahm sich Ringelstein eine kleine Reise: er begab sich zunächst nach Frauenstein, von dort nach Eltville, nach Wiesbaden und von dort über Frankfurt und Butzbach wieder nach Hause. Fünf Jahre später vermerkt das Tagebuch eine ähnliche Reise: Nachdem Ringelstein den 22. Dezember 1840 noch teilweise im Revier verbrachte, begab er sich “gegen Abend nach Butzbach, um 7 Uhr nach Friedberch, die Nacht dort.” Von Friedberg reiste er über Frankfurt und Wiesbaden abermals nach Frauenstein, um dort zu übernachten. Am 24. fuhr er nach Eltville, wo er Weihnachten verbrachte. Bis zum 28. Dezember blieb er im Rheingau, von dort reiste er über Wiesbaden, Höchst und Königstein nach Hause. Auf welche Weise er diese Strecken bewältigte, ist nicht festgehalten. In der mündlichen Familienüberlieferung heißt es, Carl Ringelstein sei grundsätzlich alle Strecken gelaufen. Dies ist bei seinen weiten Reisen beispielsweise in den Rheingau recht unwahrscheinlich. Dagegen scheint aus dem Tagebuch ersichtlich, dass er bestimmte Ziele tatsächlich zu Fuß aufsuchte. So ist für den 17. März 1844 notiert: “den Tag bis 10 Uhr zu Haus, hernach über Diedenhausen nach Weilburg von dort abends 6 Uhr retour die Nacht von ½ 11 Uhr zu Haus.” Das entspricht einer Entfernung von etwa 40 Kilometern. Einen Hinweis liefern die Tagebücher darauf, dass Ringelstein große Strecken zu Fuß zurücklegte. Die Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1849 verbrachte er in Butzbach. Von dort, so heißt es weiter, “des Morgens nach Haus gefahren …”. Wenn hier vermerkt ist, dass Ringelstein fuhr, so kann davon ausgegangen werden, dass er sonst gelaufen ist. Am 1. März 1851 unternimmt Ringelstein eine weitere Reise, nun gibt er das Verkehrsmittel exakt an: er fuhr mit der Eisenbahn von Butzbach über Wiesbaden nach Frauenstein. Dort besuchte er die Hochzeit seiner Nichte Nannchen. Am 3. März benutzte er ein Dampfboot, um nach Kaub am Rhein zu fahren. Dort bestieg er einen Tag später abermals das Dampfboot nach Kastel und fuhr mit der Eisenbahn weiter nach Frankfurt. Nach einem Abstecher nach Darmstadt begab er sich am 6. März wieder nach Hause.

Abb. 3: Eintrag der Eisenbahnfahrt

Hinweise auf freie Tage finden sich nur spärlich. Wenn Ringelstein ausnahmsweise mal einen Tag und eine Nacht ununterbrochen zu Hause war, hatte er zumeist vorher eine halbe Nacht im Revier verbracht. In den meisten Fällen vermerkt das Tagebuch aber, dass er an seinem freien Tag in der Kirche war. Es muss sich also um einen Sonntag gehandelt haben. Einen besonderen Vermerk ist es ihm wert, als er am 9. September 1836 nach Cleeberg geht, um dort beim Oberforstmeister wegen Urlaubs nachzufragen. Genau zehn Jahre später, am 7. September 1846 reichte Ringelstein abermals einen Urlaubsantrag ein. Dieser hat sich bis heute erhalten. Daraus geht hervor, dass er seinen achttägigen Urlaub nahm, um “wegen Familienangelegenheiten in das Rheingau” reisen zu wollen. Dieser Urlaub wurde ihm auch genehmigt, denn am 16. September, nachdem er tagsüber noch im Pflanzgarten und im Revier tätig war, reiste er abends nach Butzbach und erreichte morgens um halb 5 Uhr Frankfurt. Von dort ging es über Wiesbaden in den Rheingau und den Taunus, den er offensichtlich ausgiebig bereiste. Diesmal stand nicht nur Eltville auf dem Programm, sondern auch Rüdesheim, Eibingen, Weisenthurm, Strüth und Schönau. Hier übernachtete er und besuchte die Kirche. Am 21. September ging es dann über Gladbach und Eltville nach Niederwalluf. Einen Tag später reiste er über Frauenstein, Wiesbaden und Frankfurt nach Hanau, wo er ebenfalls eine Nacht verbrachte. Am 23. machte er einen Abstecher nach Darmstadt und fuhr zurück nach Frankfurt. Von hier aus fuhr er am 24. zurück nach Butzbach und nach Hause.

 

Landwirtschaftlicher Nebenerwerb

Neben dem Forstbetrieb muss Ringelstein mit Beginn des Jahres 1836 entweder einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb eröffnet oder einen bestehenden vergrößert haben. Während die Einträge für 1835 nur ganz wenige Hinweise darauf liefern, dass er nebenbei Landwirtschaft betrieb, kaufte er gleich im Januar 1836 zwei Äcker und einen Ochsen. Am 4. Februar verdingte er schließlich sogar einen Knecht. Am 3. März erwarb er zudem zwei Schweinchen im Wert von 19 Gulden. Ringelstein betrieb die Landwirtschaft aber nicht nur für den sogenannten Eigenbedarf, denn er verkaufte am 22. August 1844 auf dem Markt in Weilmünster eine Sau. Noch im gleichen Jahr kaufte er zudem ein Schaf. Immer wieder geben verschiedene Einträge Auskunft über diesen Nebenerwerb. So wurde Gras gerupft, der Besitz wurde durch Ankauf weiterer Äcker und Wiesen erweitert und auch seine Gänge auf die Märkte sind festgehalten.

 

Das Wetter

Über die klimatischen Bedingungen sagt das Tagebuch merkwürdiger Weise nur wenig aus. Ebenso sachlich wie selten wie andere Ereignisse notierte Ringelstein auch das Wetter. Nur einige Beispiele mögen hierfür als Zeugnis dienen: “29. November 1844: den Tag zu Haus, Schnee u. Regen. Die Nacht zu Haus.” An anderer Stelle heißt es dann: “18. April 1847: Des Morgens bei dem sehr tiefen Schnee draus, hernach u. die Nacht zu Haus. 19. April 1847: Den Tag bis 10 ½ Uhr draus im Schnee – Nachmittags Honig ausgemacht. Die Nacht zu Haus.” Deutlich kommt die Sachlichkeit der Einträge in dem folgenden zum Ausdruck: “26. August 1847: Den Tag zu Haus, mein Schwager Fischer beerdiget, den ganzen Tag geregnet, die Nacht zu Haus.” Nur wenige Einträge lassen die Ausmaße eines Unwetters erahnen, wie der vom 25. Mai 1849. Dort heißt es: “… gegen Abend ein Gewitter, das viel Schaden gethan hat.”

Abb. 4: Eintrag vom 25. Mai 1849

Ringelsteins Arbeit als Förster

Seinerzeit waren die Aufgaben eines Försters sehr vielfältig, zumal er zumeist auch der Revierjäger war. So beginnt das Tagebuch des Jahres 1835 scheinbar recht monoton:

1. Januar: “den Tag und Nacht war schlechtes Wetter, zu Haus”; am 2. Januar wurden dann zwei Hasen geschossen, am 3. Januar verfolgte er Reisigdiebe, in den folgenden Tagen bestanden seine Hauptaufgaben darin, die Holzarbeiter bei den Fällarbeiten in den verschiedenen Distrikten zu beaufsichtigen. Im Februar ging er zunächst zwei, drei Tage auf Wildpirsch, bevor er am 5. einen Rehbock und am 13. einen Sechsender erlegte. Am 28. Februar führte er in Kröffelbach eine Hausdurchsuchung durch, ohne dass der Grund hierfür angegeben wird.

bb. 5: Abschuss eines Sechsenders

Zu seinem Aufgaben gehörte aber auch das Setzen junger Bäume, so pflanzte er am 14. März 1835 junge Erlen. Ihm unterstand auch ein eigener Pflanzgarten, heute würde man Baumschule sagen. Dort pflanzte er am 4. und 6. April 1835 Ahorn, am 9. April 300 junge Eichen. Die Waldpflege gehörte zu den jährlichen Arbeiten. Gemeinsam mit dem Oberförster wurde einmal im Jahr der Forst- und Kulturplan aufgestellt und dem Plan entsprechend neuer Wald gesät oder gepflanzt, beispielsweise 200 Wiesenerlen am 11. November 1844. Rund zwei Jahre später, 2. und 3. April 1846 wurden insgesamt 1702 Hochstämme und Buchen gesetzt.

Wohl jeden Abschuss im Revier hielt Ringelstein akribisch fest. Es ist davon auszugehen, dass er seiner vorgesetzten Behörde jedes geschossene Tier melden musste. Jagdbares Wild waren damals: Hühner, Wildkatzen, Rehböcke, Rehe, Hirsche, Spießböcke, Hasen, Dachse, Wildprett, Fuchs, Schnepfen, Iltis, Feldkatze. In der Regel jagte er wahrscheinlich nicht für sich selbst, in manchen Fällen ist dies offensichtlich explizit vermerkt, wie beispielsweise am 28. Januar 1842, als er für den “Herrn Oberförster 1 Has” schoss oder am 6. September 1849, als er einen Hasen schoss und behielt. Gelegentlich wurden auch mal Pferde, Kühe oder Ochsen geschossen, wahrscheinlich solche Tiere, die ausgebrochen und keinem Besitzer zugeordnet werden konnten.

 

Dienstliche Veränderungen

Schon Mitte der 1840er Jahre müssen sich die Aufgaben Ringelsteins verändert haben. Es fällt auf, dass er immer weniger in das eigene Revier geht, dafür aber mehr übergeordnete Arbeiten übernimmt. So mehren sich ohne weitere Erläuterungen auch Hinweise auf Grenzbegehungen. Das Tagebuch hält für den 4. Dezember 1844 fest: “Den Tag die äusserste Gränze umgangen …”, am 14. März 1845 “Den Tag die Obergrenze begangen …”. Am 24. und 25. Mai 1845 erneuerte er die Grenze. Noch im gleichen Jahr, am 21., 25. und 26. November 1845 wurde die Grenze “aufgeputzt”, also so gereinigt, dass sie wieder gut sichtbar war. Am 17. Dezember des gleichen Jahres die “Grenz … zwischen Wiesen u. Feld bis Burghain, mit dem Feldgericht aufgenommen …”. Auch in 1846 fanden gelegentlich solche Grenzbegehungen statt, im August diesen Jahres wurde auch die Cleeberger Grenze und die zwischen dem Domänen- und dem Gemeindewald neu abgesteint.

Weiter Veränderungen sind etwa ab Mitte April 1849 aus den Einträgen zu ersehen. Ringelstein verbringt mehrmals mehrere Tage, ja Wochen am Stück zu Hause, ohne einen Hinweis darauf, dass er oder seine Familie krank sei.

Im Jahr 1851 scheint sich sein Aufgabengebiet abermals verändert zu haben. Ringelstein beaufsichtigt und kontrolliert nun alle Köhlereien diesseits der Weil, womit sich auch sein Bezirk erheblich erweitert hat. Schon am 10. Januar 1851 war er wegen eines Pferdes in Griedelbach, vermutlich hat er es gekauft.

Abb. 6: Kauf eines Pferdes

Nur so ließen sich die Strecken bewältigen, die er künftig zurück zu legen hatte: So übernahm er beispielsweise am 23. Juni 1851 vormittags Holz und begab sich von dort “nach Braunfels bei Drommershausen u. retour, Hirschhausen, die Nacht dort.” Am nächsten Tag besuchte er die Köhlerei bei Estershausen, reiste von dort über Ernsthausen nach Möttau und wieder zurück nach Hause.

Leider ist genau dies die Zeit, in der die Lücken in den Tagebüchern immer größer werden, bis schließlich keine mehr vorliegen. Auch eine Einsicht in Akten den Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden brachte keine weiteren Informationen.