von Rolf Bangel
(Dieser Aufsatz wurde in der „Wetzlarer Neuen Zeitung“ veröffentlicht.)

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der Vater vom „Alten Fritz“, regierte von 1713 bis 1740. Er war berüchtigt wegen seiner Sparsamkeit, doch für seine Armee gab er das Geld mit vollen Händen aus. Deshalb wurde er auch „Soldatenkönig“ genannt. Besonders lieb war ihm sein Leibregiment, die „Potsdamer Leibgrenadiergarde“. Bei ihr dienten nur auffallend großgewachsene junge Männer von mindestens 1,85 m Länge und da die damals selten waren, ließ der König sie in allen Ländern des Deutschen Reiches anwerben.
Im Jahr 1719 erteilte Graf Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels dem preußischen Kommissar Schönberg die Erlaubnis, in seiner Grafschaft nach solch „Langen Kerls“ zu suchen, um sie anzuwerben.Wie ein Aktenstück im Fürstlich Braunfels´schen Archiv vom 9. August 1719 belegt, wurde er dreimal fündig:
„Nachdem S. Königliche Majestät in Preußen an Uns allergnädigst gesonnen, Dero abgeschickten Commissario, H. Schönberg, zu verstatten, daß er einige große leuthe in unserem Landt ausfindig zu machen und zu Dero Leib-grenadier guarde annehmen möge; Alß haben wir solches nicht allein auch der verwilliget, sondern auch der vorweißer dieses drey solcher großen leuthen aus Unseren Landt, nahmens Philipp Heinrich Köhler von Langsdorff, Conrad Söhngen von Cröffelbach und Adoph Bender von Rötges,  zu solchen Diensten auf zwei Jahre lang engagiert. denen jedem mir 200. florin (Gulden) an reißgeld assignieren, eine völlige mundur (Uniform) machen und in Ihnen zusammen 50 fl.  zehrgeld biß nach Magdeburg zahlen Iassen, anbey Ihnen scharf eingebunden sich treulich unterthänigst undt gehorsamst, wie es redlichen Soldaten zusteht, zu erhalten, welches zu thun uns als verpflichtete Unterthanen mit handgelöbnis an Eides statt zugesagt. Worgegen mir denselben die Versicherung gegeben, dass Sie nach ausgehaltenen zweien Jahren wiederumb würden dimittiert werden, maßen wir der aller unterthgstn. Zuversicht leben, Se. Königliche Majestät werden dieselben bey demjenigen, was wir ihnen zugesaget, allergnädigst schützen. Wollen Sie aber nach Vefließung der zwey Jahren noch länger freiwillig in solchen Dinsten bleiben, So geben wir Kraft dieses darzu Unsern Landesherrfichen Consens. Urkundt Unserer Eigenhändigen Unterschrift undt beygedrücktem Gräfl. Insigels. So geschehen auf unerer Residenz undt Veste Braunfels den 9. August 1719.“

Anfang September müssen die drei in Preußen eingetroffen sein, denn in einem Schreiben vom 6. September 1719 bedankt sich der König beim Grafen:

Dem Wohlgeborenen, Unserem lieben Friedrich Wilhelm Grafen zu Solms-Braunfels, Greifenstein, Hoingen, auch zu Chrichingen, Herr zu Müntzenberg, Püttlingen, Dorschweiler und Beaucourt.

Von Gottes Gnaden Fridrich Wilhelm, König in Preußen, Markgraf zu Brandenburg, des Keyßerl. Römischen Reiches Ertzkämmerer und Churfürst p.p.

Hochwohlgeborener, besonders lieber Herr Graf. Es hat mein Commissaire Schönberg mir zum höchsten (fehlendes Wort) angerühmt, wie dass der Herr Graf Ihm in allem gütig hülfreiche Hand geleistet, und die Ordre in Ihrem lande gestattet, dass Ihm große leute zu engagieren frey gestanden, gleichwie Ich nun dem Herren Grq/en, sowohl vor die Mir durch den selben abgeschickte 3 man, als auch der wegen Ihm anonirten permission zum höchsten verbunden bin, als wird derselbe zu glauben belieben, dass Ich Keine gelegenheit aus Händen gehen lassen werde, Ihm hinwiederum einig pläsir zu erzeigen, und würde Mir nicht unangenehm seyn, wan Sie mir baldige gelegenheit hiezu zu zeigen belieben wollten: übrigens wird der überbringer dieses Ihnen mit Mehrerem, Meiner Ihnen zu tragende Ergeneheit versichern, und von meiner Ihm aufgegebenen commission ein mehreres zu hinterbringen die Ehre haben, wie auch dass Ich mit aller estime bin, des Herren Grafen
Sehr wohl affectionirter
Fr. Wilhelm

Berlin d. 6. September 1719 „

Conrad Söhngen, am 23. September 1694 als Johann Conrad Söhngen in der Kröffelbacher Kirche getauft, war zu diesem Zeitpunkt fast 25 Jahre alt und ledig. Seine Eltern waren Henrich Wilhelm und Anna Dorothea Söhngen. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt, da er aber in den Kirchenbüchern nicht mehr auftaucht, hat er wahrscheinlich sein Heimatdorf nicht wiedergesehen.