von R. Bangel
(Dieser Aufsatz wurde im „Weilburger Tageblatt“ veröffentlicht.)

Das Dorf Kröffelbach hat sich ein Wappen zugelegt, dass seine Vergangenheit symbolisiert.

Nachdem sich bei den gelungenen Feiern aus Anlass des 700-jährigen Dorfjubiläums das große Zusammengehörigkeitsgefühl aller Kröffelbacher gezeigt hatte, wurde auch vielfach der Wunsch nach einem Wappen geäußert, um diesem Gefühl auch sichtbar Ausdruck zu verleihen. Die Arbeitsgruppe Chronik in dem neu gegründeten Verein „Dorfgemeinschaft Kröffelbach e.V.“ stimmte einem Entwurf des Leiters der Hessischen Wappenrolle, Herrn Friedel Boss, zu, den dieser, in Kenntnis der Ortsgeschichte, vorlegte. Ortsbeirat und Gemeindegremien segneten den Vorschlag ebenfalls ab und im August 2003 war es geschafft: Das Wappen konnte im Rahmen eines Backhausfestes präsentiert werden.

Es ist ein nach links gewendeter Löwe in geteiltem Feld mit rot- goldenen Rand. Der Löwe war das Wappentier der ehemaligen Grafen und später Fürsten von Solms-Braunfels und derer von  Nassau-Weilburg, die viele hundert Jahre lang in Kröffelbach das Sagen hatten. Der Solmser Löwe ist blau auf goldenem Grund und der Nassauer Löwe golden auf blauem Grund, darum sind diese beiden Farben im unteren Feld vertreten. Im oberen Feld ist der Löwe rot auf silbernem Grund, als Neuschöpfung ist das der echte Kröffelbacher Löwe. Der äußere Rand weist auf die ehemaligen Ritter von Schwobach hin; Rot und Gold war ihr Wappen und aufs engste waren sie mit dem Dorf verbunden.

Seit dem sog. „Matthäustag“, als am 20. September 1336 Kaiser Ludwig der Bayer auf dem Schlachtfeld bei Mühldorf dem Grafen Johann I von Solms-Burgsolms die Reichsleute im Quembacher Gericht, zu dem Kröffelbach gehörte, für 100 Pfd. Heller übereignet hatte, gehörte Kröffelbach, mit zwei Unterbrechungen, bis 1918 zum Standesgebiet des Solmser Herrscherhauses.

Im Jahr 1333 heiratete der Graf Johann von Nassau-Weilburg  Gertrud von Merenberg, die Erbtochter des Grafen Hartrads von Merenberg und kam so in den Besitz des Kröffelbacher Kirchensatzes, dass heißt der Patronatsrechte über unsere Kirche, denn in einer  alten Urkunde über die Nassauer heißt es: „Kröffelbach war das Merenbergische Erbe“. Außerdem gehörten ihnen Ländereien und ein Hof im Dorf der sog. „Rossenhof“. Dieses Recht, den Zehnten zu kassieren, haben sie nur selten selbst ausgeübt, sondern meistens gegen Zahlung einer bestimmten Summe, an andere hochstehende Persönlichkeiten verpachtet. Während der Zeit der Besetzung durch Napoleon von 1806 bis 1813 waren die Nassauer sogar unsere Landesherren. Weil sie mit ihm verbündet waren, bekamen sie das Fürstentum Solms-Braunfels und dessen Fürst musste abdanken. 1815 beendete der Wiener Kongress diesem Zustand und die Solmser  kehrten zurück. Die Nassauer verloren auch das Kröffelbacher  Patronatsrecht, es fiel bis 1918 an den König von Preußen.

Die Ritter von Schwobach waren sehr reich, sogar die Dörfer wie Rechtenbach und Großenlinden waren zehntpflichtig. Dieser Reichtum wurde Schwobach zum Verhängnis.

Die Witwe des Grafen Johann von Solms-Burgsolms, eine Gräfin Irmgard, war durch die Kriegszüge ihres Gatten in große Schulden geraten und verpfändete gegen eine hohe Summe im Jahr 1356 die Dörfer Kröffelbach, Griedelbach, Oberwetz und Oberquembach an die Schwobacher Ritter. Ihre Söhne verlangten 1395 die Dörfer zurück, die Schwobacher im Verbund mit den Schwalbacher Rittern weigerten sich, es brach Krieg aus und die Solmser besetzten die Dörfer. Die Schwobacher unterlagen und verzichteten 1429 auf ihre Rechte im Quembacher Gericht. Wahrscheinlich ist bei Gefechten ihr Dorf mit seiner Kirche zerstört worden, es gab dort danach nur noch einen Hof als Rittersitz, die Kröffelbacher Kirche war für Schwobach zuständig. 1441 erhielt Ritter Johann von Schwobach von den Nassauern das Patronatsrecht über unsere Kirche, im Jahr 1511 starb mit Philipp von Schwobach dieses Rittergeschlecht im Mannesstamm aus und die Braunfelser kauften ihre Hinterlassenschaft von den Erben.

Es folgte ein über 300-jähriger Streit mit Kraftsolms über Weiderechte, denn das Tal war eine zusätzliche Futterquelle und konnte in Notzeiten – und die waren praktisch immer – das Überleben von Mensch und Tier sichern. Der Streit ging zeitweise mit wechselndem Erfolg bis an die damals höchsten Gerichte, die Solmser als Eigentümer hielten sich zurück, sie erhielten ja sowieso die Pacht.

Nur einmal im Jahr 1655 sprachen sie ein Machtwort denn die Kröffelbacher hatten ohne Absprache mit ihnen die „Schwobächer Waydt“ mit ihrem Vieh besetzt, zahlten keine Pacht und ließen das Kraftsolmser Vieh, das auch nach Schwobach getrieben werden sollte nicht durch. Als „Angemessene Buß“ verfügte der Braunfelser Hof, dass die Kröffelbacher den Kraftsolmsern jährlich „ein halb Ohm Bier“ zu geben hätten. Ein Ohm hatte ungefähr 160 Liter.

1929 wurde auf Beschluss der preußischen Regierung die bis dahin selbstständige Gemeinde Schwobacher Hof in die Gemarkung Kröffelbach eingegliedert und so kommt es, dass heute Kröffelbach nach Brandoberndorf die zweitgrößte Gemarkung in Waldsolms hat. Ein Einspruch der Gemeinde Kraftsolms im Jahr 1954 wurde wegen Verjährung abgelehnt.

Das Wappen soll dem Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn der Bevölkerung sichtbar Ausdruck verleihen, ebenso wie die neu angeschaffte „Ortsfahne“, die am Dorfbrunnen zu allen Festen gehisst wird, aber auch bei traurigen Anlässen von dem Mitgefühl der Dorfbewohner künden soll.