von Rolf Bangel
(Dieser Aufsatz wurde im „Weilburger Tageblatt“ veröffentlicht.)

In welchem Kriegsjahr und in wie weit die Kirche zerstört wurde, ist mangels Aufzeichnungen nicht bekannt. Die 8m hohen und 1,50m dicken Grundmauern mit den Schießscharten an der Nordseite sind stehen geblieben, auch die beiden, 1615 von Hans Bader aus Frankfurt/M. gegossenen Glocken haben in einem Versteck diesen furchtbaren Krieg überlebt. Die kleinste davon, die den Spruch trug:

Der Meister, der mich formet hat,
der war von Frankfurt aus der Stadt,
Hans Bader ihm sein Name war,
im Feuer stund ich lauter und klar,
Zu Cröffelbach er mich auch goß
Aus dem Feuer ich mit Freuden floß.
An mir hab ich einen guten Ton,
als er mich gehenkt, zog er davon.
Anno Christ: 1615 Erasmo Eberhardo, Pastore,

musste 1916 zu Kriegszwecken abgeliefert werden und wurde eingeschmolzen. Die größere Glocke, obwohl auch in beiden Weltkriegen eingezogen, fand immer wieder zurück und begleitet noch heute, verstärkt seit 1919 durch zwei Stahlglocken, die Kröffelbacher in Freud und Leid.

Im Jahr 1626 begann der Kommandant der spanischen Besatzungstruppen in der Grafschaft Solms-Braunfels mit einer gewaltsamen Gegenreformation. Alle evangelischen Pfarrer wurden ihrer Ämter enthoben und vertrieben, auch der alte Pfarrer, dessen Name auf der Glocke stand: Erasmus Eberhard, sowie sein Sohn Franz, der sein Nachfolger werden sollte. An seine Stelle trat der katholische Geistliche Johannes Halfert von St. Veit, jedoch widersetzte sich die Bevölkerung hier wie im ganzen Solmser Land und weigerte sich katholisch zu werden. Im März 1632 zogen die Schweden ein, die katholischen Pfarrer  „durften ungekränkt“ abziehen. Danach wechselten die Fronten noch mehrmals und diesen Wirren sind die Kirche sowie die meisten Häuser des Dorfes zum Opfer gefallen.

Der Wiederaufbau kam nur langsam in Gang, der Krieg und die Pest hatten die Bevölkerung dezimiert, viel Land lag brach und versprengte Schweden hausten in den Wäldern und überfielen nachts die Dörfer. Bei dem Aufschlagen der ersten Orgel in der Kirche im Jahr 1790 fand man auf einer alten Schwelle im Chor die Worte: „Wieder erbaut 1653 unter Pfarrer Ignatio Ludovici und Schultheß Hans Klapper. Meister Johann Philipp Söngen.

Im fürstlichen Archiv in Braunfels befindet sich eine Aufstellung mit dem Titel „Jährliche Renten und Einkommen des Kirchenbaues zu Cröfftelbach„. Aus ihr geht hervor, dass die Kirche erst 1659 vollendet war und das trotz der allgemeinen Armut Kröffelbacher Bürger Geld zum Bau geliehen hatten. So muss Pfarrer Georg Ludwig Beygard 1691 an die Erben der mittlerweile verstorbenen Kapitalgeber die jährliche Summe von 2 Reichstalern 8 Albusse und 5 Kreuzern an Zinsen ausbezahlen.

Die vorherige Kirche, zum ersten Mal urkundlich 1397 erwähnt, ist vermutlich im 11. Jahrhundert erbaut worden. An manchen Stellen der dicken Mauern sind auffallend viele kleine Steine vermauert worden. Sie stammen wahrscheinlich von Einwohnern, denen kein Gefährt zur Verfügung stand; ein Kirchbau war damals eine Gemeinschaftsleistung und jeder musste helfen. Von Anfang an als Wehrkirche konzipiert hat sie den Bürgern mehrmals Schutz geboten, so am 21.12. 1688 als eine Abteilung französischer Soldaten das Dorf plünderte und mehrere Häuser ansteckte und zuletzt im Juli 1796 als erneut Franzosen das Dorf überfielen. Die Alten und Kranken hatten sich in die schützende Kirche geflüchtet, während im Wald ein Mord passierte. Von Pfarrer Georg Ernst Müller stammt der Kirchenbucheintrag:

 „Zu Kröftelbach Elisabetha Margaretha, des Andreas Römers ehel. Tochter aus Hasselborn, welche dahier bei dem Johann Wilhelm Schmidt, dem jüngeren als Magd diente, wurde im Wald, wohin die Gemeinde aus Furcht vor den Franzosen, welche die Lahn passiert hatten, mit ihren besten Habseligkeiten geflüchtet waren, von einem französischen Volontair erschossen, den 9. Juli und wurde den 11. begraben. Sie war 21 Jahre alt.“

Die Kröffelbacher, die sich gemeinsam mit den Kraftsolmsern in dem Waldstück „Am Petersköppel“ versteckt hatten, beschlossen daraufhin, in Zukunft bei einer ähnlichen Lage nicht mehr zu fliehen, da auch im Wald keine Sicherheit vorhanden sei.

Weitere Umbauarbeiten waren 1881 der Einbau einer neuen Empore und 1910 der Anbau eines Treppenhauses um das Kircheninnere zu vergrößern. Die Kröffelbacher, so heißt es, waren damals fleißige Kirchgänger und die Kirche war jeden Sonntag überfüllt.

Bei dieser Gelegenheit erhielt das alte Gotteshaus ein Geschenk. Der damalige deutsche Konsul in Tokio, Albert Hofmann, trug die Kosten für ein Fenster in dem Jesus als der gute Hirte zu sehen ist. Es wurde von der Glasmacherei der Fa. Ferdinand Müller in Quedlinburg hergestellt. Albert Hofmann war der Enkel von Justus Denhard, der von 1831 bis 1869 Pfarrer von Kröffelbach und Kraftsolms war. Er wollte mit dieser Spende an seinen Großvater erinnern. Es erstrahlt noch heute in seinen frischen Farben.

Wehrkirche in Kröffelbach