Nur wenig östlich von Weiperfelden liegt bei Espa der 474 m hohe “Gaulskopf”, ein Berg, der schon im späten Mittelalter auf bergmännisches Interesse stieß.
Die Ausbeute an diesem Gaulskopf, früher auch Silberberg genannt, scheint Mitte des 15. Jahrhundert begonnen zu haben. Vermutlich seit 1459 wurde in der Cleeberger Grube Amalie und der Espaer-Grube Silbersegen Erz abgebaut.
Insgesamt bestanden am Gaulskopf 18 verliehene Bergwerksfelder, wobei in zehn Feldern Mangan und Eisenerz, in fünf Feldern Dachschiefer, in zwei Feldern Blei-, Silber- und Kupfererze und in einem Feld Schwefelkies gewonnen werden konnte. Tatsächlich geschürft wurde aber nur nach Blei, Kupferkies und Silber. 1460 begann zwischen Espa und Kleeberg ein Prozess vor dem Reichskammergericht wegen Grenzstreitigkeiten um die Grube Amalie, der sich bis zum Jahre 1560 hinzog.
Um 1600 wurde an der “Alten Straße”, auch “Branntweinstraße” genannt, ein Zechenhaus gebaut. Der Überlieferung zufolge, soll es sich um ein großes stattliches Haus gehandelt haben, das den Bergleuten der Grube Amalie zum Teil als Wohnstätte diente. Außerdem gehörten zu dem Haus noch Stallungen und Scheune. Wo einst die Scheune gestanden hat, legte später die Gemeinde Kleeberg einen Pflanzgarten an. Für müde Wanderer und Kaufleute diente es auch als Gasthaus. 1907 sollen die Reste noch gestanden haben. Das in der Nahe liegende Einhäuserfeld war früher Ackerland.
Die Grube Amalie lieferte zwischen dem 7. Juli und dem 6. Oktober 1622, 33 Zentner Reichserz und 223 Zentner aufbereitetes Bleierz an die Schmelzhütte in Cleeberg. 1634, noch während des 30-jährigen Kriegs, wurde auf der Grube Amalie ein Weiher angelegt und ein Pochwerk gebaut.
Um 1695 wurde im Solmsbachtal, an der Grenze zwischen Weiperfelden und Brandoberndorf eine neue Schmelze für die Grube Silbersegen mit einem Wohnhaus für den Bergverwalter gebaut. Dieses Flurstück wird noch heute “Schmelz” genannt. Damit war wieder einmal der Grundstein für langwierige juristische Prozesse gelegt.
Die Herrschaften von Hessen und Nassau, so die Chronik von Julius Hartmannshenn aus Brandoberndorf, konnten sich nicht darüber einigen, auf wessen Territorium die Schmelze stand. Beide kämpften um Steuereinnahmen aus diesem Betrieb. Die Auseinandersetzung nahm neue Dimensionen an, als der Bergverwalter Mühlhahn sein Kind von dem Pfarrer aus Hochweisel taufen ließ. (Der Pfarrer stammte aus Weiperfelden.) Der Streit steigerte sich noch, als dieses Kind kurz darauf starb und in Weiperfelden, außerhalb des Cleeberger Amts begraben wurde – jetzt interessierten sich auch die Pfarrer für den Standort der Schmelze. Der Brandoberndorfer Pfarrer folgte den Vorstellungen seiner Nassau-Weilburger Herrschaft. Die behaupteten, die Schmelze stehe auf nassauischem Gebiet. Folglich wäre der Brandoberndorfer Pfarrer auch für diese Amtshandlung zuständig gewesen. Das verstorbene Kind gehöre schließlich auf dem Brandoberndorfer Friedhof. Aber die im “ausländischen Weiperfelden” herrschenden hessischen Herren waren da natürlich anderer Ansicht.
Noch im frühen 18. Jahrhundert traten weitere Veränderungen ein. 1703 – die Gruben Amalie und Silbersegen waren längst zusammen gewachsen – pachtete die Cleeberger Grubenverwaltung auch die Essbare Abbaugebiete. Im Mai 1704 waren 46 Bergleute in den beiden Gruben beschäftigt. Es waren 13 Hauer, 16 Haspelknechte, vier Jungen, ein Blechschmied, ein Erzschneider, ein Schmelzer, drei Vorläufer, ein Dachsteiger, zwei Siebwäscher und noch 4 Jungen im Waschwerk.
1707 wurde auf der Grube Amalie die Arbeit vor allem wegen zu geringem Erzaufkommen eingestellt. Zudem drang zu viel Wasser in die Stollen und Gänge ein und das das Holz zum Abstützen der Stollen wurde knapp. Die Grube Silbersegen stellte 1775 ihren Betrieb ein.
Um 1860 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Ausschlaggebend hierfür waren verbesserte moderne Abbaumethoden. Tatsächlich sollen um diese Zeit noch einmal 1300 Zentner Erz aus der Grube geholt worden sein. Der Abbau hielt aber nicht lange an. Nur in wirtschaftlichen Notzeiten wurden die Gruben noch einmal kurz angefahren, so auch 1887-88 und während und kurz nach dem 1. Weltkrieg bis 1925. Damals arbeiteten auch noch drei Weiperfelder Bergleute im Bergwerk. Es waren Karl Wissig, Karl Kinkel und Willi Jung. Ich habe sie alle drei noch gekannt. Der Verdienst eines Bergmanns lag um diese Zeit ungefähr bei zwei Reichsmark am Tag. Ein Pfund Butter kostete damals 60 Pfennige, ein Liter Bier 25 Pfennige.
Zu erwähnen wäre noch, dass die Besitzverhältnisse häufig wechselten. Der letzte Eigentumswechsel erfolgte, nach meinem Wissen, 1979 und zwar an die Gewerkschaft Kaisergrube Bad Nauheim. Dieselbe Firma hat die Grube schon vor 100 Jahren “als ausgehauen” erkannt, das heißt, man erwartete dort keine lohnenden Erträge mehr. Die Gesamtlänge der Stollen soll über 1000 m betragen. Davon weist allein der mittlere Stollen eine Länge von 497 m auf. Dieser Stollen mündet im Solmsbachtal in der Weiperfelder “Silberwies” und ist heute noch gut erhalten. Der Eingang ist mit einem Eisengitter versehen. Eine Brutstätte für Fledermäuse ist hier entstanden. Diese mittlere Grube soll sehr ergiebig gewesen sein. In einem Bericht von Jochen Stimming heißt es.  “Der Erzgang soll in den tieferen zugänglichen Bereichen sechs Meter mächtig dick gewesen sein.”
Der obere Stollen ist heute verschüttet. Der unterste Stollen, der von Weiperfelden in der Nähe des Sportplatzes in den Gaulskopf getrieben wurde, brachte kein Erz und streicht 68,97 m in den Berg. Dieser Stolleneingang war lange zugeschüttet und ist erst wieder seit 1988 zu sehen. Auch hier wurde ein Gitter für die Fledermäuse angebracht. Die Schächte auf dem Gaulskopf dienten zur Bewetterung (Luftzufuhr) und gingen bis auf zirka 70 m hinab, auch jetzt, obwohl zugeschüttet, sind sie im Gelände noch zu erkennen.
Sehr ergiebig wurde von 1705 bis 1709 in der Weiperfelder Schmelze gearbeitet. Natürlich war auch hier ein Pochwerk vorhanden. In dieser Hütte wurden um diese Zeit 251 Zentner Kupfer und 19 Zentner Blei geschmolzen. Diese für die damalige Zeit sehr große Menge Erz belegt die zeitweilige Bedeutung dieser Gruben. Nach 1711 wurde in Brandoberndorf ebenfalls eine Schmelze errichtet, nicht nur wegen den Steuereinnahmen, sondern auch wegen des im Sommer geringen Wasserzuflusses des Solmsbach und des Eichelbach hier in Weiperfelden. Das Pochwerk wurde mit Wasser angetrieben, auch zum Erzwaschen benötigte man Wasser.
Bei uns in Weiperfelden deuten noch einige Flurnamen auf das Bestehen des Bergwerks hin. So heißt es in einem Beleg von 1771: “Die breite Wies- über die Schmelz nach Welperfelden”. Um diese Zeit wird auch eine Wiese zu Weiperfelden “Silberwies” genannt. Um 1821 kommt der Name  “Im Weiperfelder Silbergrund” auf. Alles Namen, die auch jetzt noch Gültigkeit haben.

Quellennachweise:

  • Block, Helga: „Bergbau im Cleeberger Land“ aus Journal 85 Mittelhessen-Jahrbuch

  • Hartmannshenn, Julius: „Ortsgeschichte von Brandoberndorf“, handgeschriebene Chronik

  • Serowy, Helmut: „Kartoffelzehnter und Eberzähler“, Episoden um die Zeit zwischen 1700 und 1800, Waldsolms 1998

  • Wilke, H.-J.: „Mineralfundstellen Hessen“ München 1979

  • Festschrift 650 Jahre Espa (1994): „Espa – Geschichte und Bilder im oberen Kleebergtal“, zur Geschichte des Bergbaus auf dem Silberberg bei Espa

  • Akten des Bergamtes Weilburg

Fotos heute (Die Aufnahmen wurden  im Sommer 2002 von W. Radermacher gemacht.):

Versuchsstollen, der ca. 69 m in den Berg geht. Er wird als „Unterster Stollen“ bezeichnet. Er liegt in der Nähe des Weiperfelder Sportplatzes am Fuße des Gaulskopfes. Es ist ein Fledermausquartier.

Versuchsstollen, der ca. 20 m in den Berg geht. Er liegt im Solmsbachtal zwischen Weiperfelden und Brandoberndorf gegenüber der Landstraße L3353. Auch hier befindet sich ein Fledermausquartier, der Eingang ist vergittert.

Diese kleine Höhle, auch ein Versuchsstollen, liegt auch im Solmsbachtal zwischen Brandoberndorf und kurz vor Weiperfelden, gegenüber der „Schmelz“. Hier wurde im 17. Jahrhundert das Erz geschmolzen. Die Höhle ist noch ziemlich unbekannt.

Zwischen Espa und Weiperfelden im Solmsbachtal liegt der „Mittelstollen“ am Fuße des Gaulskopfes. Etwa 500 m geht dieser Stollen in den Berg hinein. Es war der Hauptstollen der Grube Silbersegen. Auch hier befindet sich ein Fledermausquartier.

Die Schilder befinden sich in der Nähe des Mittelstollens.