Der folgende Text ist entnommen:
Fritzsche, Wolfgang: Hausbau und obrigkeitliches Handeln in den nassauischen Landesteilen von 1465 bis 1866.
Weimar 1997. (S. 91 ff)

Ebenso wie in der Usinger Neustadt erhielten die reformierten Siedler der Orte Hasselborn, Wilhelmsdorf und Michelbach Privilegien und Freiheiten. Da diese Dörfer neu angelegt wurden, erhielten die Siedler Wohnplatz und Schutz eingeräumt sowie Ackerland, Holzrecht und religiöse Freiheit. Sie bezogen auch dann das Bauholz umsonst, wenn davon mehr benötigt wurde, als auf der übernommenen Parzelle zu roden war. Für die Nutzung der Wälder behielt die Waldordnung ihre Gültigkeit. In den Dörfern hatte man einen Schultheißen zu wählen, der die gleichen Rechte und Pflichten hatte wie alle übrigen Schultheißen auch. Einen Entwurf für die Anlage der Ortschaften gab es, so Vogt, “nachweislich nicht, im übrigen wurde ein solcher schon durch die Portionierung der Bebauungsgrundstücke festgelegt“. Allerdings wird die im März 1692 erlassene Vorschrift für die Stadt Usingen, die Gebäude „nach der Richtschnur der Gassen und Straßen“ zu errichten, bekannt gewesen sein. Bis zum 30. April 1705 siedelten in Hasselborn bereits 16 Familien, sodass sich acht Hofreiten gegenüber standen. Am 17. August 1705 wurde für Hasselborn eine Verordnung erlassen, in der es hieß, dass man sich an die Waldordnung zu halten und statt der bisherigen Hütten „rechtschaffene Hauß zu Ihrem nothwendigen auffzubauen“ habe. Drei Jahre später wurde eine Liste der bereits errichteten Gebäude erstellt. Danach gab es in Hasselborn 18 Häuser, vier Häuschen, 17 Scheunen, sieben Baracken, zwei Ställe und einen Schuppen. Der Zustand dieser Gebäude war sehr unterschiedlich. Er reichte von „1 neues Haus nicht ganz fertig“ bis eine Scheune “die umfallen will“. Nur ein halbes Jahr später, am 10. April 1709, wurde nach einen Besuch des Landesherrn in Hasselborn erneut die Verordnung erlassen, dass bei Errichtung der Gebäude eine gute Ordnung beachtet werden sollte und sowohl Scheunen als auch Häuser „ordentlich und füglich gesetzt“ werden mussten. Beim Bau der Gebäude war der amtierende Landeshauptmann in Grävenwiesbach zu unterrichten, der dann vor Ort anzugeben hatte, wie und wo der Bau zu errichten war. Auch wenn entsprechende Aufbaupläne heute fehlen, es stellt sich die Frage, ob sie jemals existiert haben, so kann doch anhand von Karten und auch als Ergebnis einer Besichtigung vor Ort nachgewiesen werden, dass ein herrschaftlicher Wille auf die Struktur des Dorfes Einfluss genommen hat. „Ein recht betagter Einwohner des Dörfchens berichtete, dass kurz vor Kriegsende (1943) [sic] das letzte Kolonistenhaus abgerissen worden sei, und er schilderte sie als niedrige, im Nachhinein verputzte Fachwerkbauten, die giebelständig zur Straße standen. Kleine, einstöckige Häuschen, mit einem hohen Giebel, sodass man, wie in Friedrichsdorf und Dornholzhausen, noch ein oder zwei Kammern einrichten konnte. Wir müssen es glauben.“

Bei einer Begehung der drei Dörfer am 12.05.1994 stellte sich heraus, dass alle drei als Straßendörfer angelegt wurden. Hasselborn liegt etwa auf halber Höhe eines Berges. Die Straße zieht sich höhenlinienparallel am Hang entlang. Sie heißt heute Fürst-Walrad-Straße. An ihr reihen sich die Gebäude auf. Die Hofreiten bestehen heute in der Regel aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit angebautem Stall und einer rechtwinklig dazu angelegten Scheune. Sie stellen also den Typ des Hakenhofes dar.

Interessant festzustellen ist, dass der Landesherr Wilhelm Heinrich, Fürst zu Nassau, für diese drei neu angelegten Dörfer das Anerbenrecht einführte. Mit Dekret vom 18. Februar 1718 verbot er die Zerstückelung der Feldgüter und Hofreiten bei Erbfällen, Hochzeiten oder anderen Fällen. Erbe sollte jeweils der älteste oder jüngste Sohn, respektive Tochter sein. Er hätte es jedoch am liebsten gesehen, wenn „der Tüchtigste“ den Hof übernehmen würde. In Wilhelmsdorf scheint diese Verordnung von Erfolg gekrönt gewesen zu sein. Dienstbach nennt ein 1740 angelegtes Flurbuch der neuen Gemeinde, „aus dem wir ersehen, dass die Gleichheit der Besitzteile und damit des Vermögens sich seither, also über die Jahrzehnte hindurch gehalten hatte.“

Dagegen wurde in einem Bericht vom 15. Januar 1721 festgestellt, dass Hasselborn bereits sehr verarmt sei. Hier zogen offensichtlich einige Siedler nach Ablauf der Freijahre wieder weg, und die Neubildung Hasselborns blieb dem Fürsten Wilhelm Heinrich überlassen. Die Rentkammer machte den Vorschlag, die zerstückelten Feldgüter wieder zusammenzulegen und die ungenutzten Gebäude außer Landes zu verkaufen. Ein anderer Vorschlag sah vor, wegen der eingetretenen Armut den gesamten Ort aufzulassen und den Bewohnern die Freiheiten zur Auswanderung unter anderem nach Polen einzuräumen. Die vorliegende Akte enthält Vorschläge unter anderem des Forstamtes, wie die Wälder und Ackergrundstücke auf die umliegenden Gemeinden und die Herrschaft aufgeteilt werden könnten. Ein Wüstfallen des Ortes hat aber nicht stattgefunden.